Nachhaltig Bauen für klimaneutrale Gebäude

Der Holzbau profitiert von der Nachhaltigkeit

Warum ist Nachhaltigkeit wichtig? Die Menschheit steht vor globalen Herausforderungen der Klimaveränderung. Knapper werdende mineralischen Ressourcen reichen nur noch für wenige Generationen. Welche Materialien dürfen wir heute noch unbedenklich verwenden, dass sie auch zukünftigen Generationen in der gleichen Qualität und Quantität zur Verfügung stehen können?

Was bedeutet Nachhaltigkeit und woher stammt der Begriff?

Die Wurzeln des Begriffes Nachhaltigkeit liegen in der deutschen Forstwirtschaft und wurde im frühen 18. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer zunehmenden überregionalen Holznot definiert. 1713 verwendete ihn erstmals Carl von Carlowitz (1645-1714), der Oberberghauptmann in Kursachsen.

Der Duden definiert Nachhaltigkeit ziemlich knapp: "Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann." Also zum Beispiel im Wald nur so viel Holz schlagen, wie nachwachsen kann.

Laut Wikipedia ist Nachhaltigkeit ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.

Baustoff Holz

Ob dieser klimatischen Betrachtungen hat sich im Baubereich der Baustoff Holz eine ganz neue Rolle geschaffen. Der jahrtausende alte Rohstoff wird zum klimaneutralen Baustoff beim Bauen und Sanieren. Damit ist er der herausragende Baustoff des 21. Jahrhunderts. Holz ist nachwachsend und lagert als einziger Baustoff den Kohlenstoff aus der klimaschädlichen CO2-Verbindung ein.

Nachhaltige Baustoffe bestehen aus nachwachsenden, gut recyclebaren Rohstoffen und überzeugen durch ihre energiearme Herstellung. Holz, Holzwerkstoffe und holzbasierte Dämmstoffe besitzen diese Eigenschaften. Für die Herstellung von Ziegeln und Beton muss mehr sogenannten „graue Energie“ aufgewendet werden. Werden die Vorteile von Holz und Beton miteinander verbunden, spricht man von der Holz-Hybridbauweise, die besonders im mehrgeschossigen Bauen Verwendung findet.

Nachhaltiges Bauen in Baden-Württemberg

Nachhaltigkeitskriterien im staatlich geförderten kommunalen Hochbau

Mit dem Projekt „Nachhaltigkeitskriterien im staatlich geförderten kommunalen Hochbau“ möchte das Land Baden-Württemberg das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen schärfen und zukunftsverträgliche Bauweisen vorantreiben. Das Projekt zielt ganz konkret auf die Steigerung der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Gebäudequalitäten. Eine wichtige Grundlage dafür sind optimierte Prozesse und zukunftsgerechte technische Lösungen.

Gebäude, die für eine wirtschaftliche Effizienz und einen langfristigen Werterhalt stehen und aufgrund niedriger Betriebs- und Unterhaltskosten finanzielle Ressourcen schonen, schaffen finanzielle Freiräume für den Neubau, die Erweiterung und Modernisierung von (öffentlichen) Gebäuden. Sind die Gebäude außerdem gesundheits- und umweltverträglich, ressourcensparend und nutzerfreundlich, so leisten sie einen Beitrag zur Zukunftsverträglichkeit und Generationengerechtigkeit.

Im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsanstrengungen steht der Gebäudenutzer, dessen Lebens- und Arbeitsbedingungen funktionsgerecht, gesundheitsverträglich und behaglich sein sollen. Erst die ausgewogene Erfüllung der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Nachhaltigkeitsanforderungen macht Gebäude zu Lebens- und Arbeitsräumen, die akzeptiert werden und von Bestand sind.

Das Programmsystem NBBW

Das Programmsystem NBBW unterstützt die am Bau Beteiligten bei der Anwendung von wesentlichen Nachhaltigkeitskriterien in der Planung und Ausführung von Neu- und Erweiterungsbaumaßnahmen sowie von Teil- und Komplettmodernisierungen im Bereich des Hochbaus. Das System stellt unter einer integralen Oberfläche eine Projektverwaltung, die notwendigen Berechnungs- und Dokumentationshilfsmittel und technische Hintergrundinformationen zur Verfügung. Das Programmsystem wendet sich an Fachleute (wie z.B. Architekten und Ingenieure), die einschlägige Erfahrungen insbesondere

  • in der Planung, Ausführung und Überwachung von Hochbaumaßnahmen,
  • in der Erstellung von Ökobilanzen für Bauwerke,
  • und in der Auswertung von Begleitdokumenten zu Bauprodukten

haben. Die Anwendung des Programms setzt eine entsprechende Aus- und Fortbildung des Nutzers voraus und kann fehlende Fachkenntnisse nicht ersetzen.

Die Nutzung des Programmsystems ist kostenlos. Die Nutzung erfordert eine Registrierung.

Download Kompendium
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Informationsportal Nachhaltiges Bauen

Nachhaltiges Bauen wird klimapositiv

Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) in Stuttgart spricht gar von „klimapositiv“ für Gebäude mit einem Beitrag zum aktiven Klimaschutz.

Die DGNB hat sich zum Ziel gesetzt, vorbildliche Projekte hervorzuheben, ihre Erfolgsfaktoren vorzustellen und andere hiermit zu inspirieren. Aus diesem Grund gibt es die DGNB Auszeichnung „Klimapositiv". Diese können Gebäude erhalten, die basierend auf ihren realen Verbrauchsdaten nachweislich klimaneutral betrieben werden. Sie belohnt Gebäude, die durch ihren klimaneutralen Betrieb bereits heute mehr tun und somit einen positiven Beitrag zur Klima- und Energiewende leisten.

Aus Sicht des DGNB gilt ein Gebäude als klimaneutral, wenn im laufenden Betrieb die Differenz der ausgestoßenen Emissionen und den Emissionen, die durch Produktion und Bereitstellung nach extern von CO2-freier Energie eingespart werden, auf ein Jahr hin betrachtet Null oder kleiner als Null ist.

Ein klimaneutrales Gebäude hat den Verbrauch der Gebäudeenergie, der Nutzerenergie und die CO2-Emissionen der Versorgungssysteme nachgewiesenermaßen minimiert. Darüber hinaus wurden die Erzeugung und Nutzung von erneuerbaren Energien zur Deckung des verbleibenden Eigenbedarfs maximiert sowie überschüssige Energie exportiert.

Erreicht das Gebäude die ausgeglichene CO2-Bilanz über den Zukauf von standortfern erzeugten erneuerbaren Energieträgern, wie Ökostrom oder Biogas, müssen Mindestanforderungen an die Gebäudehülle nachgewiesen werden. Der Einbezug der standortfernen Energieträger in die CO2-Bilanz muss kommuniziert sowie Kennzahlen zu solarem Potenzial, Erzeugung und Verbräuchen offengelegt werden.