Hochhäuser in Holzbauweise bauen

Holzhochhäuser - der konstruktive Holzbau geht in die Höhe

Holzhochhäuser werden mittlerweile weltweit gebaut. Die Idee, Holz neben Beton und Stahl als tragenden Baustoff im Geschosswohnungsbau einzusetzen, findet international Resonanz. Dank moderner Holzbautechnologien mit den Holzwerkstoffen Brettschichtholz, Cross Laminated Timber (CLT) / Brettsperrholz ist es möglich, geschossweise über die Hochhausgrenze von 22 Metern über der festgelegten Geländeoberfläche zu kommen. So entstehen in Städten imposante Holzhochhäuser zum Wohnen und Arbeiten. Dort, wo Wohnraum und bebaubare Flächen knapp sind, können Holz- und Holzhybridhochhäuser eine Möglichkeit der flächensparenden städtebaulichen Verdichtung bieten.

Vorteile des High-Tech-Baustoffes Holz im Holzhochhausbau

Holz bietet im Hochhausbau insbesondere durch die Kombination aus vergleichsweise geringem Eigengewicht und hoher Tragfähigkeit konstruktive Möglichkeiten. Die geringeren Eigenlasten können sich auf Tragwerk und Gründung auswirken und sind insbesondere bei mehrgeschossigen Gebäuden von Bedeutung. Brettschichtholz und Brettsperrholz ermöglichen leistungsfähige Tragwerke, große Bauteilabmessungen und einen hohen Vorfertigungsgrad.

Die Bauteile können werkseitig präzise zugeschnitten, mit Öffnungen und Anschlüssen vorbereitet und weitgehend trocken montiert werden. Dadurch lassen sich Montageabläufe auf der Baustelle verkürzen und wiederkehrende Bauteile seriell fertigen. Holz lässt sich zudem gezielt mit Beton, Stahl und anderen Baustoffen zu leistungsfähigen Hybridtragwerken kombinieren. Auch die Anforderungen an den Brandschutz können durch entsprechende Dimensionierung, Bekleidungen und konstruktive Maßnahmen projektspezifisch berücksichtigt werden.

Holz ist ein nachwachsender Baustoff. Im verbauten Holz bleibt der während des Baumwachstums aufgenommene biogene Kohlenstoff während der Nutzungsdauer gespeichert. Die tatsächliche Treibhausgasbilanz eines Gebäudes hängt jedoch von Konstruktion, Materialmengen, Herstellung, Transport und dem gesamten Lebenszyklus ab.

Holz überzeugt durch eine Kombination aus hoher Festigkeit und geringem Gewicht

Holz zeichnet sich im Hochhausbau durch die Kombination aus vergleichsweise geringem Eigengewicht und hoher Tragfähigkeit aus. Die geringeren Eigenlasten können sich auf Tragwerk und Gründung auswirken. Gleichzeitig ermöglichen Brettschichtholz und Brettsperrholz große Bauteilabmessungen, präzise Vorfertigung und eine weitgehend trockene Montage auf der Baustelle.

Die erste Generation moderner Holz- und Holzhybridhochhäuser, wie sie unter anderem in Dornbirn/Vorarlberg und Vancouver/Kanada entstanden, leistete Pionierarbeit bei der Entwicklung mehrgeschossiger Holzbauten über die bis dahin üblichen Gebäudehöhen hinaus. Da die damaligen Bauvorschriften entsprechende Holzkonstruktionen teilweise noch nicht unmittelbar abbildeten, waren projektspezifische Brandschutz- und Tragwerkskonzepte erforderlich. Bei Holzhybridkonstruktionen wird Holz gezielt mit Beton und/oder Stahl kombiniert, beispielsweise bei Gebäudekernen, Decken oder Verbindungselementen.

Brettschichtholz und Brettsperrholz verfügen über definierte Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften und ermöglichen Tragwerke und Bauteildimensionen, die für den mehrgeschossigen Holzbau von besonderer Bedeutung sind. Das geplante WoHo in Berlin-Kreuzberg beispielsweise ist als Holzhybridhochhaus mit einer Höhe von 98 Metern und 29 Geschossen vorgesehen. Das Projekt befindet sich derzeit im Bebauungsplanverfahren.

Brettsperrholz, auch Cross Laminated Timber (CLT) genannt, besteht aus mehreren übereinanderliegenden Brettlagen, die überwiegend kreuzweise miteinander verklebt werden. Dadurch entstehen großformatige, flächige Bauteile für Wände und Decken. Bei Brettschichtholz sind die miteinander verklebten Lamellen dagegen parallel zur Faserrichtung angeordnet; es wird insbesondere für Stützen und Träger eingesetzt.

Brandschutz bei Holzhochhäusern: Massivholz brennt berechenbar

Massive Holzbauteile können im Brandfall ein berechenbares Abbrandverhalten aufweisen. Bauteile aus Brettschichtholz und Brettsperrholz verkohlen bei Brandbeanspruchung zunächst an der Oberfläche. Die entstehende Verkohlungsschicht verlangsamt den weiteren Wärmeeintrag, sodass der verbleibende Restquerschnitt über eine definierte Zeit tragfähig bemessen werden kann.

Entscheidend für die Sicherheit eines Holzhochhauses ist jedoch immer das gesamte Brandschutzkonzept. Dazu gehören unter anderem Bauteildimensionierung, Verbindungen, Bekleidungen, Brandabschnitte, Flucht- und Rettungswege sowie gegebenenfalls Sprinkleranlagen. Bei Brettsperrholz sind zudem der konkrete Bauteilaufbau und die jeweiligen brandschutztechnischen Nachweise zu berücksichtigen.

CO₂-Bilanz von Holzhochhäusern über den Lebenszyklus betrachten

Hochhäuser werden häufig in Stahlbeton- oder Hybridbauweise errichtet. Bei Holz- und Holzhybridhochhäusern kann der Einsatz von Holz den Anteil mineralischer Baustoffe im Tragwerk verändern. Wie sich dies auf die Treibhausgasbilanz auswirkt, muss projektspezifisch über den Lebenszyklus bewertet werden. Im verbauten Holz bleibt biogener Kohlenstoff während der Nutzungsdauer gespeichert. Die Emissionen im Gebäudebetrieb werden insbesondere durch Energiestandard, Gebäudetechnik und Energieversorgung bestimmt.

Übersicht der höchsten Holzhochhäuser / Holz-Hybrid-Hochhäuser weltweit

Holzbauwelt.de beobachtet und dokumentiert die Entwicklung internationaler Holzhochhäuser seit 2017

Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. © www.holzbauwelt.de
Projekt Standort Geschosse Höhe Status Architekten
Mjøstårnet Brumunddal / Nowegen 18 85,5 m fertiggestellt Voll Arkitekter
Donaumarina Tower Wien / Österreich 32 113 m in Planung UBM Development
Hoho Wien / Österreich 24 84 m fertiggestellt Rüdiger Lainer + Partner
Sara Kulturhus Skellefteå / Schweden 20 76 m fertiggestellt White Arkitekter
Adina Hotel Melbourne / Australien 10 aufgestockt fertiggestellt Bates Smart
Atlassian HQ Sydney / Australien 40 180 m in Planung SHoP, BVN
Suurstoffi BF1 Risch-Rotkreuz / Schweiz 15 60 m fertiggestellt Büro Konstrukt, Manetsch Meyer
Ascent Milwaukee / USA 25 86,6 m fertiggestellt Korb + Associates
The Edison Milwaukee / USA 32 110 m in Planung Michael Green Architecture
Skaio Heilbronn 10 34 m fertiggestellt Kaden + Lager
Carl Pforzheim 14 45 m fertiggestellt Peter W. Schmidt Architekten
Woodscraper Wolfsburg 12 40 m im Bau befindlich Partner und Partner Architekten
Wood Up Paris 14 50 m fertiggestellt LAN – Local Architecture Network
PHH-16 Leipzig 18 62 m in Planung S&P Gruppe
Roots Hamburg 19 65 m fertiggestellt Störmer Murphy and Partners
KARLA Karlsruhe 24 90 m Im Bau befindlich wittfoht architekten
WoHo Berlin 29 98 in Planung Mad Arkitekter
Rocket Winterthur / Schweiz 32 100 in Planung Schmid Hammer Lassen Architects
Pi Zug / Schweiz 27 80 in Planung Duplex Architekten
Verwaltungszentrum H5 Düsseldorf noch nicht eindeutig festgelegt 110 in Planung JSWD Architekten/Gina Barcelona Architects
Hybrid-Holzturm C6 Perth / Australien 50 183 in Planung Elenberg Fraser Architects
SAWA terrassenförmiges Holzhochhaus Rotterdam/Niederlande 16 54 fertiggestellt Mei architects and planners
Holzhybrid-Hochhaus Sydney / Australien 55 220 in Planung Merricks Capital

Offizielle CTBUH-Definition für Holzhochhäuser und Holzhybrid-Hochhäuser

Noch im März 2019 bestätigte der Council of Tall Buildings in Chicago, dass sich das Mjøstårnet in Brumunddal / Norwegen mit einer Höhe von stolzen 85,4 Metern Höhe offiziell als das höchste Gebäude der Welt aus Holz nennen darf. Gleichzeitig änderte der Rat, auch wegen des aktuellen Booms bei hohen Holzhäusern, die Kriterien für sein Ranking: Sowohl die vertikalen Strukturelemente als auch das komplette Bodensystem müssen aus Holz gefertigt sein. Verbindende Elemente zwischen den Holzbestandteilen dürfen auch aus anderen Materialien gefertigt sein – solange sie nicht als primäre Struktur des Gebäudes dienen. Diese neue Definition schließt Hybridholzhochhäuser wie das HoHo in Wien vom Ranking der höchsten Gebäude aus Holz aus.

„Holzhochhäuser entwickeln sich vom experimentellen Leuchtturm zum realen Baustein der urbanen Transformation. Entscheidend ist dabei weniger der Höhenrekord als die zunehmende Skalierbarkeit von Holz- und Holzhybridkonstruktionen.“
Sigurd Maier, Gründer und Geschäftsführer von Holzbauwelt.de

Die derzeit höchsten Holzhäuser in Deutschland, welche die vorgenannten Kriterien erfüllen, stehen derzeit in Thingers bei Kempten und in Freiburg im Breisgau. Allerdings sind beide Gebäude jeweils nur 21 Meter hoch und gelten damit nicht als Hochhaus (Hochhäuser sind über 22 Meter hoch). Ein solches reines Holzhochhaus soll nun auch in Sachsen errichtet werden. Die Wohnungsbau Genossenschaft Kontakt e.G., die S & P Sahlmann Planungsgesellschaft Leipzig mbH und die Holzbau Kompetenz Sachsen GmbH planen dazu ein gemeinsames Pilotprojekt. Im Fokus stehen dabei die Planung, Entwicklung und Errichtung eines Hochhauses als Wohngebäude in Leipzig – allein mit dem nachhaltigen Baumaterial Holz.

Roots in Hamburg

Deutschlands höchstes Holzhochhaus

Mit rund 65 Metern Höhe und 19 Geschossen prägt das Holzhochhaus Roots das Quartier Elbbrücken in der Hamburger HafenCity. Ergänzt wird der Wohnturm durch einen siebengeschossigen Riegelbau. GARBE Urban Real Estate realisierte damit eines der bedeutendsten mehrgeschossigen Holzbauprojekte Deutschlands.

Das Gebäudeensemble umfasst insgesamt 181 Wohnungen: 128 Eigentumswohnungen im Hochhaus sowie 53 geförderte Wohnungen im angeschlossenen Riegelbau. Ergänzt werden die Wohnnutzungen durch Büroflächen, Gastronomie sowie öffentlich zugängliche Bereiche der Deutschen Wildtier Stiftung.

Roots in Hamburg, GARBE Urban Real Estate Germany GmbH & Co. KG