Parlamentsgebäude Luisenblock West Berlin

Bürogebäude in Holzmodulbauweise für den deutschen Bundestag

Die außergewöhnlichen Vorteile der Holzmodulbauweise zeigten sich bei einem ambitionierten Zeitrahmen von nur 15 Monaten Bauzeit beim Bau eines siebenstöckigen Bürogebäudes im Luisenblock West des Parlamentsviertels in Berlin. 

Ende Oktober 2020 hatten die Bauarbeiten an dem Holzmodulbau begonnen, seit Februar 2022 ist der Büroneubau fertig und wurde von den Parlamentariern der drei Fraktionen SPD, CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen bezogen.

 Parlamentsgebäude Luisenblock West Berlin Kaufmann Bausysteme
Parlamentsgebäude Luisenblock West Berlin, Kaufmann Bausysteme

Hinweis:
Abbildungen können Sonderausstattung enthalten.

Merkmale Parlamentsgebäude Luisenblock West Berlin
Anbieter Kaufmann Bausysteme GmbH
Gebäudetyp Bürogebäude, Holzhochhäuser
Bauweise Holzmodulbau, Mehrgeschossiger Holzbau, Holzhybridbau
Fläche/Größe 9200 m²
Dachart Flachdach
Besonderheiten
  • Nutzer: Deutscher Bundestag
  • Adresse: Adele-Schreiber-Krieger-Straße, 10117 Berlin
  • Architektur: sauerbruch hutton Gesellschaft von Architekten mbH
  • Projektleitung: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat VI 2
  • Gesamtkosten: 70 Millionen Euro
  • Planungsbeginn: Mai 2020
  • Baubeginn: Oktober 2020
  • Fertigstellung: geplant für Dezember 2021
  • Bruttogrundfläche: rund 17.100 Quadratmeter
  • Nutzfläche: rund 9.200 Quadratmeter
  • Grundstücksfläche: rund 7.600 Quadratmeter
  • Anzahl Büros: 400
  • Generalübernehmer / Generalunternehmer: Kaufmann Bausysteme und PRIMUS developments

 

 

 

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Generalunternehmer überzeugt mit Effizienz und Nachhaltigkeit

Unter Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung hatte sich die Bietergemeinschaft Kaufmann Bausysteme und PRIMUS Developments mit dem architektonischen Entwurf des Büros sauerbruch hutton als Generalübernehmer und Generalunternehmer durchgesetzt, der zentral alle Planungs-, Herstellungs- und Bauleistungen für das Projekt verantwortet.

Das Konzept überzeugte insbesondere im Hinblick auf die Aspekte Effizienz und Nachhaltigkeit. Auf genaue Vorgaben zur Bauweise wurde in der vorgenommenen Ausschreibung bewusst verzichtet. Aufgrund des ambitionierten Zeitplanes – die neuen Büros sollten nach der Bundestagswahl 2021 zur Verfügung stehen – lag die Wahl einer System- oder Modulbauweise nahe.

Holzhybridbau mit Beton und Holz-Modulen gefertigt

Nach Plänen des Architekturbüros sauerbruch hutton wurde das Bürogebäude auf einem H-förmigen Grundriss nahezu vollständig aus vorgefertigten Holzmodulen von Kaufmann Bausysteme erstellt. Werkseitig werden Fensterelemente, ein Holzrahmen mit Wärmedämmung und integrierter Sonnenschutzanlage und eine Unterkonstruktion für die Fassadenbekleidung aus farbigem Glas in das Modul eingebaut.

Die Bodenplatte einschließlich der Fundamente, das Erdgeschoss mit Technik- und Abstellräumen sowie die beiden Erschließungskerne wurden aus Stahlbetonfertigteilen und Ortbeton mit einer Oberfläche in Sichtbetonqualität erstellt. 

Die Fensterelemente bestehen aus einem festverglasten Bereich und einem Öffnungsflügel. Ausgeführt wurden die Fensterelemente als Holz-Aluminium-Konstruktion. Die in Holz und Aluminium ausgeführte, farbige Fassade des Büroneubaus bestimmt dessen Erscheinungsbild. Der natürliche Baustoff Holz prägt ansonsten den Innenraum.

Rohbau und Montage der Holzmodule 

Zu Beginn des Jahres 2021 wurde damit begonnen, die Fertigteile für das Erdgeschoss und für die Mittelspange des Gebäudes zu stellen. Noch im 1. Quartal lief die Fertigung der mehr als 460 Holzmodule im Werk von Kaufmann Bausysteme in Berlin-Köpenick an. Ab dem 12. April wurden an jedem Werktag sechs Raummodule produziert, auf die Baustellte geliefert und zusammengesetzt. Ende Juli 2021 montierte das beauftragte Unternehmen das letzte Modul. Am 22. Dezember 2021 wurde das fertige Gebäude an den Nutzer übergeben.

Kaufmann Bausysteme

Konstruktiv mutig

Kaufmann Bausysteme ist der führende Spezialist für das modulare Bauen in Holzsystembauweise. Diese bietet viele Vorteile bei hohen Anforderungen für Flexibilität, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Preisrelevanz. Hier punktet die Holz-Modulbauweise bei der effizienten Wohnraumversorgung und im Büro- und Gewerbebau. Mit dem Baustoff Holz lassen sich Raummodule in elementierter Bauweise zügig und wirtschaftlich in Serie fertigen.

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Nachhaltiger recyclingfähiger Holzmodulbau 

Die Module in Holzbauweise – jedes misst 3,20 mal 6,75 Meter – sind in den vier Gebäudeflügeln jeweils an einem zentral liegenden Flur angeordnet und bestehen fast vollständig aus nachhaltig produzierten Vollholz-Elementen. Durch die Modulbauweise haben die Büroräume einen identischen Schnitt. Sie sind längs mit Durchgängen zueinander ausgeführt. Auch auf den Fluren zeichnet sich die Modulstruktur ab. Teile der Gebäudetechnik sind hier in den Decken verbaut. 

Gefertigt wurden die Holzmodule in Berlin, was kurze Transportwege und geringe Emissionen bedeutete. Aufgrund der Modulbauweise ist das Gebäude besonders rückbaufähig. Zum Nachhaltigkeitsansatz zählt auch das WOODCYCLE-Konzept, also das Nachpflanzen der benötigten Bäume. Etwa 5.000 Kubikmeter beträgt die Holzmenge, die auf dem Luisenblock West verbaut und von der Bietergemeinschaft nachgepflanzt wird.

Politik ist vom Gebäude als Holzmodulbau begeistert

„Der Run der Fraktionen auf die Räumlichkeiten war beachtlich“, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), Vorsitzender der Bau- und Raumkommission des Ältestenrates, bei der Besichtigung am Freitag, 18. Februar 2022. „Anfangs habe eine gewisse Skepsis bestanden, ob die in Holzmodulbauweise errichteten Büros vergleichbar zu den bestehenden Räumen des Parlaments seien – davon sei dann aber keine Rede mehr gewesen.“

Für die Umsetzung der Idee der Baukommission in einem Zeitraum von zwei Jahren und das Einhalten des Zeit- und Kostenrahmens dankte Kubicki dem Berliner Senat und Bezirk, dem Architekten und den Baufirmen, aber auch dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. „Ich glaube, dass diese Form der Bauweise zukunftsweisend sein kann und, dass sich auch Firmen ein Beispiel daran nehmen können“, sagte Kubicki über das ökologisch nachhaltige Ergebnis, das auch mit einer Solaranlage auf dem Dach ausgestattet ist.

„Sowohl das Regieren als auch der Kampf gegen den Klimawandel sind ernste Angelegenheiten, umso wichtiger ist es, für diese Arbeit Orte anzubieten, die uns an die Vielfalt und die Schönheit des Lebens erinnern,“ erläutert Professor Matthias Sauerbruch vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton.