Holzbauinitiative für klimaneutrales und schnelleres Bauen

Das Bundeskabinett hat den von Bundesbauministerin Klara Geywitz und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir vorgelegten Entwurf einer Holzbauinitiative beschlossen. Diese Strategie der Bundesregierung soll den Einsatz des nachhaltigen Rohstoffes Holz im Bausektor stärken und für mehr Klimaschutz, Ressourceneffizienz und schnelleres Bauen sorgen.

Bundesregierung stärkt Holzbau für Wohnraumschaffung und Klimaschutz

Mit acht Handlungsfeldern, von der Vorbildfunktion des Bundes und der Stärkung von Forschung und Innovation über die Fachkräftesicherung und den Wissenstransfer bis zur Sicherung der Rohstoffversorgung, sollen bis 2030 der Einsatz von Holz wesentlich verbessert und die Holzbauquote erhöht werden. Bei der Suche nach Lösungen, die Klimaschutz und Ressourcenschonung mit dem Bedarf an Gebäuden zum Wohnen, Leben und Arbeiten nachhaltig in Einklang bringen, müssen nachwachsende Rohstoffe stärker als bisher berücksichtigt werden. Von besonderer Relevanz ist dabei der ressourceneffiziente Einsatz von Deutschlands bedeutendstem nachwachsenden Rohstoff Holz.

Holzbau ist der Schlüssel für Klimaschutzziele

Im Bauwesen ist Holz für den Hoch- und Ingenieurhochbau bislang die einzige für die breite Anwendung schon heute verfügbare Technologie, mit der Kohlenstoff im Tragwerk und der Hülle von Gebäuden gespeichert werden kann. Das Substitutionspotenzial des Holzbaus kann im Vergleich zu Bauweisen aus nicht nachwachsenden Rohstoffen nachweislich erheblich zur THG-Minderung beitragen.

Dabei muss es im Sinne der Ressourceneffizienz und der Suffizienz im Allgemeinen unabhängig von der Bauweise das Ziel sein, möglichst viel Funktion mit möglichst wenig Ressourcen (Baumaterial und Energie) bereitzustellen. Für die stoffliche Verwertung und den Holzbau ist Holz aus heimischen Wäldern aus ökologischen Gründen aber auch aus Sicht einer Resilienz der Rohstoffversorgung von großer Bedeutung. Gerade die für das Bauen derzeit wichtigen Nadelhölzer fallen im Zuge der Auswirkungen des Klimawandels und des klimagerechten Waldumbaus mittelfristig vermehrt an.

Vor dem Hintergrund der zukünftig zu erwartenden begrenzten Verfügbarkeit des heimischen Holzaufkommens und verstärkter Nutzungskonflikte um die Ressource Holz, ist es daher sinnvoll, dieses Holz neben der Nutzung für den natürlichen Klimaschutz ressourceneffizient für langlebige Bauwerke zu verwenden und dadurch den Kohlenstoff der im Holz gespeichert ist, möglichst lange der Atmosphäre zu entziehen. Weitere Informationen zum Thema Holzhaus bauen erhalten Sie über den Link.

Die Holzbauinitiative zielt folgerichtig darauf ab:

1. Holz und andere nachwachsende Rohstoffe stärker als bisher und gleichzeitig ressourcenschonend im Hoch- und Ingenieurhochbau zu berücksichtigen,

2. die Quantität des Holzbaus zu steigern sowie die Innovation des Holzbaus zu befördern,

3. die Zirkularität des Holzbaus bei der Weiterentwicklung der Holzbauweisen und die Potenziale der Altholzverwertung zu erschließen und zu fördern,

4. den Holzbau und den Holzleichtbau insbesondere bei der Nachverdichtung im urbanen Raum zu berücksichtigen und

5. den seriellen Holzbau und die serielle Sanierung mit Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen zu steigern.

Handlungsfelder der Holzbauinitiative

Die Politik steht in der Verantwortung, den Weg für mehr Klimaschutz und Ressourcenschonung im Bausektor aktiv zu gestalten und damit das Bauen mit Holz aus heimischen Wäldern sowie mit anderen nachwachsenden Rohstoffen aus der Nische in die Breite zu überführen und im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen zu verstetigen.

Abgeleitet aus wissenschaftlichen Analysen und mit dem Ziel, gleichberechtigte Ausgangsbedingungen für den Einsatz von Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen zu schaffen, adressiert die Holzbauinitiative folgende Handlungsfelder:

1. Der Bund als Vorbild und Vorreiter im klima- und ressourceneffizienten Bauen
2. Stärkung von Forschung, Innovation, Modell- und Demonstrationsvorhaben
3. Ausbau von Bildung, Information, Beratung, Wissenstransfer und Fachkräftesicherung
4. Schaffung von Anreizen für ein klimafreundliches Bauen mit Holz, anderen nachwachsenden Rohstoffen sowie mit anderen nachhaltigen Bauweisen
5. Unterstützung des kreislaufgerechten und ressourceneffizienten Bauens
6. Sicherung nachhaltiger Rohstoffversorgung und Wertschöpfungsketten
7. Weiterentwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen, Regelungen und Entscheidungsgrundlagen hinsichtlich Klimarelevanz und auf Grundlage einer sektorübergreifenden Treibhausgasbilanzierung.
8. Datenerfassung, -haltung und Monitoring im Handlungsfeld Bauen und Wohnen insbesondere zur Evaluierung klimarelevanter Effekte.

Große Potentiale zur Nachverdichtung im urbanen Raum mit Holz

Bei der Transformation des Gebäudebestands hin zur Klimaneutralität sowie bei dem aktuell großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum bietet das Bauen mit Holz, u.a. die Leichtbauweise, insbesondere auch bei der Nachverdichtung im urbanen Raum (Aufstockungen, Anbauten, Lückenschluss als Chance zur Minimierung des Flächenverbrauchs) folgende bautechnologische Vorteile und wirtschaftliche Potenziale:

  • Hoher Vorfertigungsgrad und kurze Bau- und Bezugszeiten und somit geringere Störungen im Bauumfeld und höhere Akzeptanz von Bauvorhaben.

  • Nutzung der Option des seriellen und modularen Bauens.

  • Ein geringes Gewicht bei hoher Tragfähigkeit und Flexibilität bei der Aufstockung von Gebäuden oder der Wohnraumerweiterung.

  • Gute Möglichkeiten einer späteren Kaskadennutzung und Recyclingfähigkeit, u.a. durch Zweitverwendung- oder -verwertung der Holzkonstruktion, sowie

  • regionale Versorgungs-, Liefer- und Wertschöpfungsketten.

Lebenszyklusanalysen für nachhaltigen Rohstoffeinsatz

Dem Bauen und Wohnen kommt auf Grund der vielen Millionen Bauwerke eine besondere Verantwortung zu. Neben den Maßnahmen zum Klima- und Ressourcenschutz in der Betriebsphase, bei der bislang die Frage der Reduktion des nichterneuerbaren Primärenergieverbrauches im Vordergrund stand, werden zukünftig auch die Lebenszyklusphasen außerhalb der Betriebsphase von Gebäuden in den Fokus rücken. Mit einher gehen Fragen der Ressourcenschonung, des effizienten und nachhaltigen Rohstoff- und Materialeinsatzes und des zirkulären Bauens.

Seriell gefertige Holzmodule für Neubau und Gebäudesanierung

Neben dem klimafreundlichen ressourcenschonenden Neubau spielt die Modernisierung und Sanierung von Gebäuden zum Erreichen der deutschen Klima- und Nachhaltigkeitsziele eine vorrangige Rolle. Seriell gefertigte Elemente aus Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen können vor dem Hintergrund des enormen Modernisierungsbedarfs des deutschen Gebäudebestands von etwa 20 Mio. Wohngebäuden und 3,5 Mio. Nichtwohngebäuden (laut langfristiger Renovierungsstrategie) wichtige Beiträge zum klimaschonenden Bauen leisten.


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