Brettsperrholz ist ein Schlüsselwerkstoff für den modernen mehrgeschossigen Holzbau. Das industriell gefertigte Massivholzprodukt wird vor allem für tragende Wände, Decken und Dächer eingesetzt. Großformatige Elemente, ein hoher Vorfertigungsgrad und die schnelle Montage machen Brettsperrholz besonders für den Wohnungs- und Objektbau interessant.
Brettsperrholz – kurz BSP, international Cross Laminated Timber oder CLT, auch X-LAM beziehungsweise Kreuzlagenholz genannt – besteht in der Regel aus mindestens drei kreuzweise miteinander verklebten Brettlagen. Dadurch entsteht ein formstabiles, flächiges Tragwerkselement, das Lasten je nach Aufbau in eine oder mehrere Richtungen abtragen kann.
Im Unterschied zum stabförmigen Brettschichtholz wird Brettsperrholz als Platte oder Scheibe eingesetzt. Damit lassen sich tragende und aussteifende Bauteile für Wohn- und Bürogebäude, Schulen, Hotels, Gewerbebauten und Holzhochhäuser realisieren.
Brettsperrholz ist besonders für digital gesteuerte Planungs- und Fertigungsprozesse geeignet. Aus dem dreidimensionalen Gebäudemodell können Werkstatt- und Fertigungsdaten für die Produktion der einzelnen Elemente abgeleitet werden.
Im Werk werden die Platten zugeschnitten, gefräst, gebohrt und für die Montage vorbereitet. Je nach Fertigungskonzept können Fenster, Fassadenelemente, Installationskomponenten oder weitere Bauteilschichten bereits vor der Anlieferung ergänzt werden.
Damit diese Prozesskette funktioniert, müssen Elementierung, Fugen, Anschlüsse, Transportabmessungen, Montagereihenfolge und Kranlogistik frühzeitig geplant werden. Auch die Leitungsführung der technischen Gebäudeausrüstung muss vor Produktionsbeginn weitgehend feststehen.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Durchgängigkeit: Aus einem koordinierten digitalen Modell entstehen präzise Bauteile, die auf der Baustelle in einer geplanten Reihenfolge montiert werden können. Dadurch werden Bauzeiten verkürzt und Schnittstellenfehler reduziert.
Die kreuzweise Anordnung der Brettlagen reduziert das für Holz typische Quellen und Schwinden quer zur Faserrichtung. Brettsperrholzelemente weisen deshalb eine hohe Formstabilität und Steifigkeit auf. Sie können sowohl vertikale Gebäudelasten als auch horizontale Lasten aus Wind und der Gebäudeaussteifung aufnehmen.
Wände aus Brettsperrholz wirken als tragende Scheiben. Deckenelemente übernehmen die Funktion flächiger Platten und können Lasten über größere Bereiche verteilen. Dadurch lassen sich konstruktiv leistungsfähige Gebäude mit vergleichsweise geringem Eigengewicht errichten.
Die großformatigen Bauteile werden auf Grundlage digitaler Planungsdaten im Werk produziert. Fenster- und Türöffnungen, Aussparungen, Verbindungspunkte sowie erforderliche Bearbeitungen können mit CNC-gesteuerten Anlagen präzise vorgefertigt werden. Auf der Baustelle werden die Elemente anschließend in kurzer Zeit montiert und miteinander verbunden.
Der hohe Vorfertigungsgrad erfordert allerdings eine frühzeitige Abstimmung zwischen Architektur, Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik, Gebäudetechnik und Holzbauunternehmen. Nachträgliche Durchbrüche, Bohrungen oder Veränderungen an tragenden Brettsperrholzelementen dürfen nicht ohne Prüfung durch die Tragwerksplanung ausgeführt werden.
Brettsperrholz hat die konstruktiven Möglichkeiten des Holzbaus deutlich erweitert. Während traditionelle Holztragwerke überwiegend aus Balken, Trägern und Stützen bestehen, können mit Brettsperrholz massive, flächige Wände, Decken und Dächer hergestellt werden.
Die Elemente können tragende, raumbildende und aussteifende Funktionen miteinander verbinden. Je nach architektonischem Konzept und den Anforderungen an Brand-, Schall- und Oberflächenschutz können die Holzflächen sichtbar bleiben. So wird die Tragstruktur zum Bestandteil der Innenraumgestaltung.
Brettsperrholz eignet sich sowohl für reine Massivholzkonstruktionen als auch für Skelett-, Modul- und Hybridbauten. Besonders wirtschaftlich ist der Einsatz, wenn Gebäude frühzeitig auf wiederkehrende Raster, standardisierte Bauteile und serielle Produktionsprozesse ausgerichtet werden.
Brettsperrholz sollte deshalb nicht lediglich als Ersatz für eine bereits fertig geplante Beton- oder Mauerwerkskonstruktion betrachtet werden. Seine konstruktiven und wirtschaftlichen Vorteile entstehen vor allem dann, wenn Tragwerk, Gebäuderaster, Vorfertigung und Montage von Beginn an auf das Holzbausystem abgestimmt werden.
Im Holzhybridbau wird Brettsperrholz gezielt mit Brettschichtholz, Stahl oder Beton kombiniert. Dabei übernimmt jeder Baustoff die Aufgaben, für die er konstruktiv und wirtschaftlich besonders geeignet ist.
Brettschichtholz kann als Stützen- und Trägersystem eingesetzt werden, während Brettsperrholz die Decken-, Dach- oder Wandelemente bildet. Beton kommt beispielsweise bei Gründungen, Untergeschossen, Erschließungskernen oder als Aufbeton einer Holz-Beton-Verbunddecke zur Anwendung. Stahl wird vor allem für Verbindungsmittel, Zugglieder, Aussteifungen oder hoch beanspruchte Anschlussdetails verwendet.
Diese Kombinationen ermöglichen tragfähige und flexible Gebäudestrukturen. Im mehrgeschossigen Wohnungsbau und bei Bürogebäuden können Holzskelettsysteme mit Brettsperrholzdecken größere Grundrissflexibilität bieten als ausschließlich tragende Wandkonstruktionen. Bei Holzhochhäusern werden Brettsperrholzbauteile häufig mit Brettschichtholztragwerken und mineralischen Erschließungs- oder Aussteifungskernen kombiniert.
Hybrides Bauen bedeutet dabei nicht, möglichst viele Materialien einzusetzen. Ziel ist eine materialgerechte Konstruktion, die Tragfähigkeit, Brandschutz, Schallschutz, Vorfertigung, Rückbaubarkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet.
Übersicht der wichtigsten Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Brettsperrholz im modernen Holzbau:
Fazit: Brettsperrholz verbindet Tragfähigkeit, Vorfertigung und architektonische Qualität. Seine größten Vorteile entstehen durch eine integrale Planung, bei der Tragwerk, Bauphysik, Gebäudetechnik, Fertigung und Montage frühzeitig zusammengeführt werden.
Als Wandelement übernimmt Brettsperrholz tragende und aussteifende Funktionen. Die großformatigen Elemente können Geschosslasten aufnehmen und horizontale Kräfte in Fundamente oder andere aussteifende Bauteile weiterleiten. Außenwände werden abhängig vom energetischen und gestalterischen Konzept durch Dämmung, Fassadenaufbau und Witterungsschutz ergänzt.
Bei Innenwänden kann Brettsperrholz als tragende Wand, Wohnungstrennwand, Gebäudeschotte oder aussteifende Scheibe eingesetzt werden. Die Anforderungen an Brand- und Schallschutz werden durch den vollständigen Bauteilaufbau und nicht allein durch die Dicke der Holzplatte erfüllt.
Brettsperrholzdecken wirken als flächige Platten. Sie können auf tragenden Wänden, Brettschichtholzträgern oder Stützen aufgelagert werden. Im Dachbereich ermöglicht Brettsperrholz großformatige, formstabile Konstruktionen, die schnell geschlossen und mit weiteren Funktionsschichten ergänzt werden können.
Elementabmessungen, Plattenaufbau, Lagendicken, Festigkeitskennwerte und zulässige Spannweiten unterscheiden sich je nach Hersteller und Produktzulassung. Brettsperrholz ist deshalb nicht ohne erneute technische Prüfung durch ein vermeintlich vergleichbares Produkt eines anderen Herstellers austauschbar.
Die folgenden Projekte auf Holzbauwelt.de zeigen unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten von Brettsperrholz im modernen Objektbau:
HoHo Wien – Holz-Hybrid-Hochhaus mit Brettschichtholz und Brettsperrholz
Beim 84 Meter hohen HoHo Wien wurden Brettsperrholz-Wandelemente mit blockverklebten Brettschichtholzstützen kombiniert. Das Projekt zeigt die Anwendung industriell gefertigter Holzbauteile in einem mehrgeschossigen Hybridsystem.
Stories Amsterdam – Wohnturm mit X-LAM-Tragstruktur
Der Wohnturm Stories wurde mit einer Tragstruktur aus X-LAM beziehungsweise Brettsperrholz rund um einen Betonfertigteilkern realisiert. Das Projekt steht für den Einsatz von Brettsperrholz im urbanen, mehrgeschossigen Wohnungsbau.
Dante plus München – Parkplatzüberbauung mit Brettsperrholzwänden
Bei der Parkplatzüberbauung Dante plus wurden tragende Innenwände, Gebäudeschotten und weitere massive Holzelemente aus Brettsperrholz ausgeführt. Die vorgefertigte Holzkonstruktion konnte innerhalb kurzer Zeit auf dem bestehenden Stahlbetontisch montiert werden.
Industriegebäude mit Brettsperrholz für Wand, Decke und Dach
Beim nachhaltigen Neubau eines Industriegebäudes kamen Brettsperrholzelemente sowohl im Bürobereich als auch bei Wänden und Dach der Produktionshalle zum Einsatz. Das Projekt verdeutlicht die Verbindung von Brettsperrholzflächen mit einem Tragwerk aus Brettschichtholz.
Brettsperrholz macht aus Holz ein großformatiges, digital planbares und industriell vorfertigbares Flächentragwerk. Es schafft neue Möglichkeiten für den mehrgeschossigen Wohnungsbau, für Büro- und Bildungsgebäude, für den Modulbau und für Holz-Hybridkonstruktionen.
Seine Leistungsfähigkeit entsteht jedoch nicht allein durch das Material. Entscheidend sind ein geeignetes Gebäuderaster, wiederholbare Bauteile, frühzeitig geplante Anschlüsse und eine durchgängige Abstimmung zwischen Planung, Produktion und Montage.
Wer mit Brettsperrholz wirtschaftlich bauen will, muss das Gebäude von Anfang an als Holzbausystem entwickeln – und nicht erst nach Abschluss der Entwurfsplanung den Baustoff austauschen.