Was bedeutet klimaneutral, klimapositiv und ökologisch?

Damit der ökologische Fußabdruck für jeden persönlich klein bleibt: Ein Leitfaden durch den Begriffsdschungel klimaneutral, klimapositiv und ökologisch. Es ist nicht zu vermeiden: Jeder Hausbau hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Die Frage ist nur, wie kann man ihn so klein wie möglich halten?

Nach Aussagen des Wuppertal Instituts – einem internationalen Think Tank für Nachhaltigkeitsforschung - ist die Bauwirtschaft für knapp ein Fünftel des weltweiten Ressourcenverbrauchs verantwortlich. Wie groß der ökologische Fußabdruck eines Hauses ist, hängt von vielen Faktoren ab – von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau des Gebäudes. Dafür hat sich der Begriff „Graue Energie“ eingebürgert. Er fasst zusammen, wie viel Energie insgesamt benötigt wird, bis ein Haus fertig ist und an seinem Lebensende wieder abgerissen wird. „Graue Energie schließt also alles ein, sowohl die Herstellung der Baustoffe als auch das, was zur Errichtung benötigt wird, sowie das spätere Recycling.

Holz schneidet in der Ökobilanz am besten ab

Natürliche Baustoffe, allen voran Holz, schneiden bei dieser Bilanz besonders gut ab.

Vergleicht man verschiedene Baustoffe hinsichtlich der Faktoren

  • natürlicher Baustoff ja oder nein?
  • Transportweg
  • Co2-Ausstoß
  • Recyclingfähigkeit
  • Wärmedämmung

so schneiden Holzbaustoffe am Besten ab. Das Schlusslicht bildet Beton – in Deutschland noch immer der Hauptbaustoff - der lediglich bei der Kürze des Transportwegs einen Pluspunkt erhält und mit Holz gleichauf ist, aber nur in diesem einen Punkt. Ziegel bekommen Punktabzug in Sachen Recyclingfähigkeit und beim Kalksandstein hapert es an der Wärmedämmung. Auf die gleichen sehr guten Werte wie Holz kommt nur noch die Lehmbauweise (Quelle: Hauser Holz).

Klimaschonend oder klimafreundlich bauen?

Wer klimaschonend bauen will, muss also mit Holz bauen – und das nicht nur im eigenen Interesse. Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), muss der gesamte Gebäudebestand in Deutschland bis 2050 klimaneutral werden. Klimaneutral ist ein Gebäude im Sinne der DGNB dann, „wenn die Differenz der ausgestoßenen Emissionen und der Emissionen, die durch Produktion und Bereitstellung nach extern von CO-freier Energie eingespart werden, auf ein Jahr hin betrachtet Null oder kleiner als Null ist."

Was ist aber nun der Unterschied zwischen klimaschonend, klimapositiv, klimaneutral oder einfach „nur“ ökologisch? Hier ein Leitfaden durch den Begriffsdschungel.

Klimaschonend oder klimafreundlich bauen fängt schon bei der Planung an und zwar mit der ersten Frage: Wie viel Platz brauche ich eigentlich? Mit anderen Worten: Klein bauen sollte die Devise sein und damit eine möglichst geringe Wohnfläche pro Kopf in Anspruch nehmen. Auch wenn niemand zu den beengten Wohnverhältnissen der 1950er Jahre mit durchschnittlich 14 Quadratmetern pro Kopf zurück will, ist der Unterschied zu heute schon eklatant: Derzeit beansprucht jede(r) im Durchschnitt fast 47 Quadratmeter. Deshalb sind Fragen wie: Brauchen wir ein so großes Gästezimmer, eine Doppelgarage, einen begehbaren Kleiderschrank, eine Wellness-Sauna wirklich?

Ebenfalls klimaschonend: Wo immer es möglich ist, im Bestand bauen, statt neue Flächen zu versiegeln, Altbauten energetisch sanieren und – falls man neu baut: Holzbauweise wählen! Denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, er speichert Kohlenstoff, verfügt über eine sehr gute Wärmedämmung und sorgt für ein gesundes Wohnklima. Darüber hinaus sollte man auch über den CO2-Fußabdruck des Hauses im Betrieb nachdenken und regenerative Energie- und Wärmequellen nutzen. (Quellen: jetzt-klimaneutral.de)

Was bedeutet klimapositiv bauen?

Klimapositiv bauen definiert die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) so:

  1. Hohe Energieeffizienz mit intelligenter Planung, sinnvollem Einsatz von Gebäudetechnik und aufgeklärten Nutzern
  2. Nutzung erneuerbarer Energiequellen (Photovoltaik, Solaranlage)
  3. Einspeisung von selbst erzeugter Energie ins Netz (Solarstrom).

Sind diese Voraussetzungen gegeben, verleiht die DGNB diesen Gebäuden die Auszeichnung “klimapositiv”. Sie ist allerdings nur für ein Jahr gültig, da sie von Messwerten abhängig ist, die Schwankungen unterliegen können. Aber Achtung: Es reicht nicht aus, regenerative Energie lediglich einzukaufen. Vielmehr ist vor Ort erzeugte Energie, zum Beispiel durch eine Photovoltaikanlage zwingend notwendig. Eine Anrechnung von CO2-Zertifikaten ist nicht zulässig. Die DGNB verfolgt mit der Auszeichnung das Ziel, das Thema in die Breite zu tragen und eine Botschaft an Politik, Städte, Kommunen, Investoren und Bauherren zu senden, dass man bereits heute Gebäude planen und bauen kann, die einen positiven Beitrag für die Zukunft leisten

Kurz gesagt: Klimapositiv bedeutet eine ausgeglichene oder idealerweise negative CO-Jahresbilanz. Das heißt:Vom CO-Ausstoß, den das Gebäude im Jahr verursacht, werden die Emissionen abgezogen, die durch den Export von selbstproduzierter, treibhausgasfreier Energie im Netz vermieden werden. Solch ein Gebäude spart also in der Summe mehr Treibhausgase bei anderen ein, als es selbst ausstößt. Es spart nicht nur Energie, sondern produziert genügend Strom, um den eigenen Bedarf zu decken und darüber hinaus Strom ins Netz einspeisen zu können.

Was bedeutet ökologisch bauen?

Ökologisch bauen bedeutet, im Einklang mit der Natur bauen und die Umwelt dabei so wenig wie möglich belasten, mit dem Ziel, auch künftigen Generationen einen intakten Planeten zu hinterlassen. Es geht darum, Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren. Konkret bedeutet das,

1. Die Produktion der für Hausbau nötigen Werkstoffe soll die bestmögliche Ökobilanz aufweisen.

2. Das Gebäude soll frei von gesundheitsbelastenden Stoffen und Emissionen sein.

3. Die Nutzung des Hauses soll nur minimale Auswirkungen auf Umwelt und Klima haben.

Wer ökologisch bauen will, achtet deshalb auf die Ökobilanz der verwendeten Rohstoffe (Gütesiegel geben zuverlässige Hinweise). Über die Baustoffe hinaus – von der Wandfarbe bis zum Bodenbelag – gehört eine energiesparende Heizung (Brennwertheizung, Solar- oder Fotovoltaikpaneele, Wärmerückgewinnung) zum ökologischen Bauen ebenso dazu wie energiesparende Elektrogeräte. Auch ein doppeltes Wassernetz, bei dem die Toilettenspülung mit Brauchwasser funktioniert und der Garten mit Regenwasser versorgt wird, ist denkbar.

Aber ist das alles nicht sehr viel teurer als ein konventionell errichtetes Haus? Fachleute rechnen damit, dass für ein ökologisch gebautes Haus die Kosten zunächst tatsächlich zehn bis zwanzig Prozent höher sind. Mittelfristig werden die Ausgaben durch dauerhaft geringere Energiekosten wieder eingespart. Und natürlich darf man die Wohnqualität in einem Haus ganz ohne Giftstoffe nicht außer Acht lassen. Und Gesundheit ist schließlich unbezahlbar.

Ein paar "Werkzeuge" zum nachhaltigen Bauen

Das Wuppertal Institut für Nachhaltigkeitsforschung bietet auf seiner Internetseite einen Ressourcenrechner an, mit dem jeder den ökologischen Rucksack seines Lebensstils berechnen kann. Man benötigt nur 10 Minuten um zu erfahren, wie nachhaltig der eigene Lebensstil ist und wie ein ressourcenleichter Lebensstil aussehen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) stellt auf ihrer Internetseite seine Toolbox zur Verfügung, die Informationen, Handlungsempfehlungen und Instrumente an die Hand gibt, um den Prozess mit zu gestalten und Gebäude und Quartiere klimaneutral zu planen, bauen und zu betreiben.


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